„Die Ordnung der Nächstenliebe“

„Die Lehre der Kirche ist diesbezüglich völlig klar. Das Lehramt, die hl. Kirchenlehrer, allen voran der hl. Thomas von Aquin, legen eindeutige Prinzipien dar. Es gibt in der Übung der Nächstenliebe eine Ordnung. Es ist unmöglich, alle Menschen gleich zu lieben, und Gott verlangt es auch nicht. Selbst dem reichsten Menschen ist es nicht möglich, allen notleidenden Menschen auf Erden wirksam zu helfen. Darum unterscheidet der hl. Thomas zunächst drei Formen von Liebe:
1. Die Liebe des Wohlwollens:
Dem Wunsch und der Absicht nach sollen wir alle Menschen gleich lieben. Wir sollen wünschen und dafür beten, dass es allen Menschen gut gehe und alle die höchsten Güter erlangen, nämlich das ewige Heil. Auf diese Weise können wir alle gleich lieben.
2.Die affektive Liebe, die Liebe des Herzens:
Hier gibt es Unterschiede. Ich liebe im Herzen meine Eltern mehr als irgendeinen anderen.
3. Die effektive Liebe, die wohltätige, helfende Liebe:
Auch da gibt es Unterschiede. Selbstverständlich muss man den Nahestehenden zuerst helfen. Wenn meine Eltern erkranken und gleichzeitig irgendein Ehepaar in einem entfernten Dorf, bin ich zuerst verpflichtet, den Eltern zu helfen. Und ich muss sie natürlich auch mehr lieben als andere.
Es gibt also eine Ordnung in der affektiven und effektiven Liebe, die durch drei Grundsätze zustande kommt:
1. Je mehr Wohltaten ich von einem Menschen empfangen habe, desto mehr soll ich ihn lieben, d.h. dessen Liebe erwidern und ihm, wenn er hilfsbedürftig ist, beistehen.
2. Je näher mir ein Mensch durch die Bande der Verwandtschaft steht, umso mehr soll ich ihn lieben. Denn diese Bande bewirken eine gottgewollte Gemeinschaft. Gemeint ist die Blutsverwandschaft, geistliche Verwandtschaft, volksmäßige Verwandtschaft.
3. Je näher jemand Gott steht, umso mehr soll man ihn lieben, weil er auch von Gott mehr geliebt wird. Denn die Nächstenliebe ist ja in der Gottesliebe begründet und mit ihr identisch. So liebt Jesus seine heiligste Mutter mehr als alle anderen, nicht nur weil sie seine Mutter ist, sondern weil sie heiliger und ihm ähnlicher ist, somit liebenswürdiger als alle anderen Menschen. Darum sollen auch wir sie mehr lieben und ehren als alle anderen Heiligen.
Dies ist die gottgewollte Ordnung der Nächstenliebe. Wir sind also gehalten, die einen mehr zu lieben als die anderen, dem einen eher zu helfen als dem anderen.“

(Entnommen dem Artikel „’Du sollst deinen Nächsten lieben!’ Zum Migrationspakt der UNO“ von Pater Stefan Frey, St. Athanasius Bote Nr.40/März 2019)

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